Zu Anfang war es eine sehr religiös geprägte, heilsgeschichtliche Auseinandersetzung.
 
In diesem Zusammenhang ist es wichtig, die unterschiedlichen Prinzipien, auf denen die beiden Religionen beruhen, zu erwähnen.
 
Die Kirche versucht eine einheitliche Jesus - Geschichte zu vermitteln und bindende Lehren aus ihr zu ziehen, die in Glaubensbekenntnissen, Dogmen und Katechismen niedergeschrieben werden. Das jüdische Prinzip läßt für jeden Vers in der Toráh mindestens zwei legitime Auslegungen zu, lehnt also jegliche Dogmatisierung ab.

Diese sehr unterschiedlichen Ansätze bildeten eine wesentliche Hürde im Verhältnis der Kirche zum Judentum im Verlauf der Geschichte. Die Art der Auseinandersetzung zwischen den beiden Religionen änderte sich entscheidend nach dem Edikt von Mailand 313, als das Christentum offiziell zur Staatsreligion erklärt wurde, machtpolitische und wirtschaftliche Gründe gewannen an Bedeutung, religiöse traten in den Hintergrund. Schon früh existierten Verbote und Einschränkungen für Jüdinnen und Juden (Gesetzbuch Kaiser Theodosius II, 438).